Lindsay Fitzharris – “Der Horror der frühen Medizin” – Kurz beleuchtet

von | 30.03.2020 | Buchvorstellung

Heute möchte ich – als Einschub in die Fortsetzungsserie über “Die Frau in Weiß” von Wilkie Collins – mal wieder ein Sachbuch vorstellen:

Lindsay Fitzharris schreibt in “Der Horror der frühen Medizin” über das Leben des schottischen Chirurgen Joseph Lister, 1. Baron Lister (1827-1912). Untertitel: Joseph Listers Kampf gegen Kurpfuscher, Quacksalber & Knochenklempner.

Fast schon spektakulär-gruselig und blutig schildert die Medizinhistorikerin Fitzharris die Krankenhäuser und Operationsmethoden im viktorianischen England (diese Zustände herrschten übrigens auch in jedem anderen Land im 19. Jahrhundert).

Im OP wurde regelrecht “gemetzgert”, Chirurgen trugen blutverkrustete Fräcke statt weißer Kittel. Ärzte wuschen sich nicht die Hände vor der Untersuchung Kranker oder vor Operationen (auch wenn sie zuvor Leichen seziert hatten), giftiges Quecksilber wurde als Medizin verabreicht…und und und.

Sehr sachlich wiederum beschreibt Lindsay Harris die antiseptischen Maßnahmen Joseph Listers, der mit Phenol die OP-Säle, Chirurgen und die Verbände desinfizierte und so tausenden Patienten das Leben rettete. Auf diese Idee gebracht hatten Lister übrigens die Abhandlungen Louis Pasteurs, dass Bakterien die Ursache für Infektionen sind.

Meine Leselampe-Fazit:

“Der Horror der frühen Medizin” von Lindsay Fitzharris ist auf keinen Fall ein Buch für Zartbesaitete. Ich fand es sehr spannend und gut zu lesen, die Story und wie sie erzählt wird, gefällt mir über alle Maßen

Und gerade jetzt, wo wir uns wegen der Corona-Epidemie intensiv mit Hygiene und Desinfektion beschäftigen, zeigt solche Lektüre eindringlich, wie lebenswichtig das Thema schon immer war und immer bleiben wird (auch nach der Bewältigung einer Pandemie…).

Mein Lese-Exemplar:

Lindsay Fitzharris, “Der Horror der frühen Medizin” – Joseph Listers Kampf gegen Kurpfuscher, Quacksalber und Knochenklempner, Sachbuch, 276 Seiten, aus dem Englischen übersetzt von Volker Oldenburg, erschienen 2018 im Suhrkamp Verlag Berlin.

Das Foto eines alten Apothekerschranks stammt von analogicus/Pixabay.