Emily Brontë: “Wuthering Heights” – “Sturmhöhe”, Teil 7

von | 31.01.2020 | Buchvorstellung

“Wuthering Heights”, zu deutsch “Sturmhöhe”, von Emily Brontë hat eine raffinierte, verschlungene Erzähl-Struktur – aber stets mit einem straff gespannten roten Faden.

Mal berichtet die Haushälterin Ellen Dean, dann wieder der Pächter von “Thrushcross Grange”, Mr. Lockwood. Äußere und innerliche Dramatik sind miteinander verflochten – es ist schwierig, die Handlung des viktorianischen Romans “einfach mal so nachzuerzählen”. A propos, wenn Ihr das letzte Kapitel noch einmal auffrischen möchtet: “Wuthering Heights”, Teil 6.

Jedenfalls habe ich mir diesmal Zeit genommen und der Handlung genügend Raum gegeben. Und so kommen wir erst mit Teil 7 zum Abschluss…..

Edgar Linton erholt sich nicht von seiner Erkältung, Ellen Dean ist nach drei Wochen Bettlägerigkeit wieder auf den Beinen und muss entdecken, dass Cathy in dieser Zeit allabendlich in “Wuthering Heights” war, um ihren Cousin zu besuchen. Sie stellt die junge Dame zur Rede und diese berichtet ihr, dass Linton ein schwieriger Patient und Mensch sei. Nachdem es zwischen ihr, Linton und Hareton zum Streit gekommen war, sei Linton sehr krank und noch nachtragender geworden, die Verstimmung zwischen ihnen halte an. Cathy ist frustriert, hält aber treu zu dem Kranken.

Nelly erzählt ihrem Herrn von den heimlichen Besuchen seiner Tochter auf “Wuthering Heights”. Edgar verbietet Cathy, dorthin zu reiten, schreibt aber seinem Neffen, er sei jederzeit herzlich willkommen bei ihnen und er gestattet den beiden, sich Briefe zu schicken. Er ahnt nicht, dass Linton für derlei Unternehmungen schon viel zu schwach ist, sogar seine Briefe werden von Heathcliff diktiert.

Nach einiger Zeit erlaubt Edgar, dass Cathy und Linton sich auf neutralem Boden treffen dürfen. Bei der ersten Zusammenkunft fällt Ellen Dean auf, dass Linton elender ist, als er zugeben will und ihn große Angst vor Heathcliff umtreibt. Dieser Eindruck verstärkt sich beim zweiten Treffen. Heathcliff kommt dazu, Linton gebärdet sich panisch und hysterisch. Aus Mitleid begleiten Ellen und Cathy ihn gegen alle Vernunft ins Haus. Heathcliff schließt die beiden Frauen gewaltsam in “Wuthering Heights” ein. Ihnen wird klar, dass Linton an diesem Komplott beteiligt ist, wenn auch nur, um von Heathcliff nicht weiter gequält zu werden. Zeugen gibt es keine, Knecht Joseph und die Haushälterin Zillah sind für einige Tage unterwegs, Hareton ist zum Jagen.

Cathy muss über Nacht in “Wuthering Heights” bleiben und wird gezwungen, am nächsten Morgen Linton zu heiraten. Nelly ist für mehrere Tage in Zillahs Zimmer eingesperrt, bis diese zurückkehrt und sie befreit. Zillah erzählt Nelly, im Dorf Gimmerton kursiere das Gerücht, sie und Cathy seien im Moor ertrunken.

Nelly darf nun endlich nach “Thrushcross Grange” –  ohne die frischgebackene und eingesperrte Mrs. Heathcliff zu Gesicht bekommen zu haben – und kann den todkranken Mr. Linton aus seiner Ungewissheit erlösen. Als Edgar Nellys Geschichte hört, versucht er sein Testament so zu ändern, dass Cathy abgesichert ist. Der Anwalt und Notar steckt jedoch unter einer Decke mit Heathcliff und verzögert sein Kommen, bis es zu spät ist. Cathy ist mit Hilfe ihres feigen Ehemanns die Flucht von “Wuthering Heights” gelungen, wenigstens kann sie ihren sterbenden Vater noch ein letztes Mal sehen.

Bis zum Begräbnis darf Cathy auf “Thrushcross Grange” bleiben, das nun an ihren Ehemann gefallen ist und nach seinem Tod ihrem Schwiegervater gehören wird. Sie ist Heathcliff auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Nach Edgars Beerdigung kommt Heathcliff und holt Cathy ab. Ellen Dean muss in der Grange bleiben, alle anderen Dienstboten werden entlassen.

Heathcliff erzählt Nelly, dass er Cathys Grab hat öffnen lassen, ihr Gesicht sei nach 18 Jahren noch unverändert. Er spüre ihre Gegenwart überall – wenn er die Augen schließe, sehe er sie zum Greifen nah. Ihr Geist sei bei ihm und nicht unter der Erde.

Nelly darf nicht mehr in Kontakt mit Cathy treten, von der Haushälterin Zillah erfährt sie, dass Cathy wochenlang allein Lintons Leiden und Sterben begleitet hat. Seither behandele die junge Mrs. Heathcliff die übrigen Hausbewohner mit Verachtung und Kälte, weil sie sie im Stich gelassen hätten. Somit trägt nun auch einst so fröhliche Cathy dazu bei, das Leben auf “Wuthering Heights” zur Hölle auf Erden zu machen.

An dieser Stelle endet Ellen Deans Geschichte, deren letzten Teil Mr. Lockwood wiedergegeben hat.

Wir sind wieder im Jahr 1801 wie zu Beginn des Romans.

Lockwood ist von seiner schlimmen Erkältung genesen, die er sich nach seinem zweiten Besuch auf “Wuthering Heights” geholt hatte. Nun hat er genug von all der Einsamkeit der Yorkshire-Moore. Er reitet hinüber zu seinem Pachtherrn Heathcliff, um ihm mitzuteilen, dass er die nächsten Monate in London verbringen und nicht mehr zurückkehren wird. Lockwood spürt wieder die bedrückende Stimmung auf den Heights. Cathy und Hareton leben wie Hund und Katz, Streitpunkte sind Haretons mangelnde Bildung und Cathys arrogante Reaktion darauf. Heathcliff entlässt Lockwood aus der Pacht und lädt ihn zum Mittagessen ein. Nach dem äußerst schweigsamen und freudlosen Mahl reitet Mr. Lockwood davon und überlegt sich, wie schön es Cathy hätte treffen können, wenn sie ihn geheiratet hätte……..

Im September 1802 führt die Teilnahme an einer Jagd Mr. Lockwood wieder in die Gegend und er stattet “Thrushcross Grange” einen Besuch ab. Ellen Dean trifft er dort nicht an. Ihm wird von einer alten Frau mitgeteilt, Mistress Dean sei auf “Wuthering Heights”.

Mr. Lockwood reitet hinauf zu den Heights und trifft auf ein verändertes Haus: duftende Blumen im Garten, gepflegte Zimmer, Cathy und Hareton friedlich vereint beim Lesen. In der Küche findet Lockwood dann Ellen Dean und den nach wie vor mürrischen Knecht Joseph. Und nun erfährt Lockwood, was sich zugetragen hat, seit er “Thrushcross Grange” verlassen hat.

Heathcliff ist tot. In seinen letzten Wochen hatte er sich immer seltsamer gebärdet. Seine Rachepläne interessierten ihn nicht mehr, er schikanierte niemanden, aß und trank kaum noch und schien von irgend etwas getrieben zu sein und auf irgend jemanden zu warten. Nachts verließ er oft das Haus und kehrte zufriedener zurück. Zuletzt schloss Heathcliff sich in Catherine Earnshaws Mädchenzimmer ein und eines Morgens fand man ihn tot im Bett-Alkoven. Das Fenster war geöffnet, Heathcliff vom Regen durchnässt, die Hand blutig aufgeschürft, mit einem wildem Lächeln in seinem starren Gesicht.

Er sei neben neben Catherine und Edgar beigesetzt worden, erzählt Ellen Dean. Seitdem glaubten die Menschen in dieser Gegend, dass Heathcliff und seine Catherine ‘umgehen’ würden.

Doch es gibt gute Nachrichten: Cathy und Hareton werden heiraten und nach “Thrushcross Grange” ziehen, natürlich mit Ellen Dean. “Wuthering Heights”, dieser Ort des Unglücks, wird künftig von Joseph gehütet.

Mr. Lockwood besucht die Grabstätte und empfindet dort den tiefen Frieden der Heide- und Moorlandschaft. Ihm gebührt das letzte Wort in diesem Drama:

“…ich konnte mir durchaus nicht vorstellen, dass die Schläfer einen unruhigen Schlummer hätten hier in dieser stillen Erde.”

(Zitat: Seite 434, in “Sturmhöhe, von Emily Brontë, 434 Seiten, übersetzt von Johannes F. A. Boeckel, erschienen 1981 bei Bertelsmann)

So ist letztendlich der furchtbare Rachefeldzug des ehemaligen Findelkindes Heathcliff gescheitert – doch er hat bis zum harmonischen Ende viele Menschen zugrunde gerichtet (oder lag es an deren Schwäche?).

Meine Leselampe-Fazit:

Ein unglaubliches Buch, eine unglaubliche Wucht der Gefühle, eine unglaubliche Handlungsvielfalt bei nur wenigen Schauplätzen und Darstellern.

“Wuthering Heigths” ist unbedingt lesenswert, es ist wahre Erzählkunst. Wie schön wäre es, wenn man darüber mal mit der Autorin Emily Brontë sprechen könnte…..

Emily Brontë, “Sturmhöhe”, 434 Seiten, übersetzt aus dem Englischen von Johannes F. A. Boeckel, erschienen 1981, Bertelsmann Club GmbH, Gütersloh