George Eliot: Kurze Biographie

von | 23.06.2020 | Kurze Biographie

In der viktorianischen Zeit führte sie ein außergewöhnliches Leben – die überaus emanzipierte und gebildete Schriftstellerin George Eliot, die ich heute auf Meine Leselampe vorstelle.

Ich verwende in diesem Artikel durchgehend den Künstlernamen George Eliot, obwohl Mary Ann Evans erst ab 1857 unter diesem Pseudonym veröffentlichte)Mary Ann Evans, so der eigentliche Name George Eliots, wurde 1819 in der Grafschaft Warwickshire geboren, sie starb 1880 in London.

Die Tochter eines Gutsverwalters wuchs in Griff House in der Nähe von Coventry auf und erhielt eine gute Schulausbildung. George Eliot war sehr intelligent und belesen. Als sie nach dem Tod ihrer Mutter ihrer Familie den Haushalt führen musste, bildete sie sich selbst weiter. George Eliot war der Liebling ihres Vaters, eine besonders enge Beziehung verband sie mit dem älteren Bruder Isaac.

Schon zuhause religiös erzogen, wurde die 15-jährige George Eliot durch eine ihrer Lehrerinnen zur Anhängerin des Evangelikalismus, einer sehr bibeltreuen und strengen Strömung des Anglikanismus. Doch das sollte sich wenige Jahre später radikal ändern.

Ab 1841, George Eliot war mit ihrem Vater von Griff House nach Coventry gezogen und arbeitete als  Journalistin und Übersetzerin (u.a. D. F. Strauß: Das Leben Jesu), wandte sie sich dem liberalen Freidenkertum und revolutionärem Gedankengut zu. Und führte nach dem Tod ihres Vaters ein recht freies Leben – gemessen an den Maßstäben der prüden viktorianischen Zeit.

Mit Freunden reiste George Eliot durch Europa, lebte eine Zeit lang in Genf, zog dann nach London, wo sie als Redakteurin tätig wurde. Sie hatte eine kurze Affäre mit einem verheirateten Mann, lernte viele Geistesgrößen ihrer Zeit kennen und traf die Liebe ihres Lebens……George Henry Lewes.

Mit dem verheirateten Schriftsteller und Naturwissenschaftler lebte Eliot ab 1854 in wilder Ehe. Dieses “schlamperte” Verhältnis führte zum Bruch mit ihrem geliebten Bruder Isaac und brachte dem Paar viel Kritik und Schmähungen seitens der viktorianischen Gesellschaft ein.

Ihre Liebe zu George Henry Lewes inspirierte George Eliot offenbar sehr, sie begann, Kurzgeschichten, Gedichte, Essays und Romane zu schreiben, die sie unter ihrem Künstlernamen veröffentlichte. Ihr Lebenspartner unterstützte und förderte ihr literarisches Schaffen. So wundert es nicht, dass George Eliot nach Lewes Tod 1878 ihre Laufbahn als Autorin beendete.

1880, einige Monate vor ihrem Tod, heiratete George Eliot dann doch noch: ihren vertrauten und 20 Jahre jüngeren Freund John W. Coss. Viele spotteten über diese Verbindung, jedoch ihr Bruder zeigte sich versöhnlich und schrieb ihr einen Brief. Ob sich die beiden noch mal gesehen und miteinander ausgesprochen haben, weiß ich leider nicht…..

George Eliot gehört nach Meinung der Literaturwissenschaft zu den bedeutendsten Schriftstellerinnen der viktorianischen Zeit. In ihre Romane lässt sie philosophische, psychologische, religiöse, naturwissenschaftliche und politische Anschauungen ihrer Epoche einfließen. Die Handlungen spielen überwiegend in Provinzstädten in Mittelengland, kritisch beleuchtet George Eliot Moral und Standesdünkel der dortigen Gesellschaft.

Am Freitag stelle ich Euch auf Meine Leselampe “Die Mühle am Floss” (1860) vor. Es ist George Eliots zweiter Roman und zählt gleich nach “Middlemarch” (1871-72) zu ihren bedeutendsten Werken.

Meine Quellen für “George Eliot: Kurze Biographie”

  • Eva-Maria König, Nachwort zu und in “Die Mühle am Floss”, ab Seite 739, Reclam Verlag 1983
  • Knaurs Lexikon der Weltliteratur, Droemer Knaur 1979
  • Hans-Dieter Gelfert, “Kleine Geschichte der englischen Literatur”, Verlag C.H.Beck, 2005
  • Wikipedia, “George Eliot”