Gedanken zu: “Reclaim Her Name”

von | 16.08.2020 | News

Reclaim Her Name: “Middlemarch” – einer der bekanntesten Romane von George Eliot (1819-1880) wurde jetzt unter dem eigentlichen Namen der viktorianischen Autorin veröffentlicht, nämlich unter Mary Ann Evans. Und mit ihr und “Middlemarch” (1871-1871) die Werke 24 weiterer Schriftstellerinnen, die zu ihrer Zeit unter einem männlichen Pseudonym veröffentlichen mussten, teils um sich und ihre Familien zu schützen oder um in der Männerwelt überhaupt eine Chance zu bekommen, gedruckt zu werden.

Das betraf natürlich auch die viktorianischen Autorinnen und daher sind gleich einige von ihnen bei der “Reclaim Her Name”- Aktion dabei. Zumindest wurden sie in der viktorianischen Epoche geboren:

  • die Irin Julia Davis (1859-1916), Pseudonym Frank Danby, mit ihrem Roman “Twilight” (1916), in dem sie ihren eigenen Sterbe-Prozess begleitet und verarbeitet,
  • die Schottin Maria Elizabeth Hawker (1848-1908), Nom de Plume Lanoe Falconer, mit ihrer Geistergeschichte “Cecilia de Noel” (1891),
  • die in Europa geborene und dort meist lebende Britin Violet Paget (1856-1935), Pseudonym Vernon Lee, mit ihrer phantastischen Novelle “A Phantom Lover” (1886),
  • Henrietta Dorothy Evans (1851-1923), Nom de Plume Theo Douglas, mit “Iras: A Mystery” von 1896, übernatürlich, ägyptologisch, fast schon Science-Fiction,
  • Mary S. Harrison (1952-1931), Pseudonym Lucas Malet, mit “The Story of Sir Richard Calmady” (1901).

Auch “Indiana”, der Roman der französischen Schriftstellerin George Sand (1804-1876, eine Zeitgenossin der Viktorianer) ist unter ihrem Namen Amandine (-Lucile-) Aurore Dupin in dieser Sammlung vertreten. Und viele andere wundervolle Schriftstellerinnen…….

Der Anlass für diese Aktion ist der 25. Jahrestag des “Frauenpreises für Belletristik” – einem sehr begehrten Literaturpreis Großbritanniens. Nähere Informationen zu “Reclaim Her Name”, den Preis selbst und den Sponsor findet Ihr unter https://www.womensprizeforfiction.co.uk (ist auch meine Quelle, aufmerksam auf “Reclaim Her Name” wurde ich durch einen “Guardian”- Artikel vom 12.8.2020).

Tolles Extra für uns alle: die 25 Bücher können kostenlos als E-Books heruntergeladen werden.

Meine Leselampe-Fazit:

Wie stolz wären die Autorinnen gewesen, wenn sie je ihre Echt-Namen auf den Covern ihrer Bücher hätten sehen könnten? Doch leider hat es über 100 Jahre gedauert, bis Bewegung in die Sache kam. “Reclaim Her Name” ist eine lobenswerte Wiedergutmachung für die jahrhundertelange Unterdrückung und Geringschätzung weiblicher Schriftsteller (oder eben -innen) und hoffentlich nur der Anfang. Fordert die Namen zurück – machen wir weiter damit!!!!!