“In guten Händen”-Fernsehtipp zum 1. Mai

von | 01.05.2021 | Fernseh-Tipp

“In guten Händen” – Rezept gegen Langeweile?

Wie kann man sich in guten Händen fühlen an einem 1. Mai in der dritten Corona-Welle? Der Feiertag ist in diesem Jahr entgegen aller Hoffnungen nicht viel anders als der 1. Mai vor einem Jahr. Corona-Beschränkungen oder Lockdown, dazu in vielen Gegenden schlechtes Wetter… was also tun gegen trübe Stimmung?

Wie wäre es, tagsüber zu lesen, z.B. einen Roman des humorvollen Spötters W.M. Thackeray, siehe dazu den Meine Leselampe-Tipp von gestern -> https://www.meineleselampe.de/jahrmarkt-der-eitelkeit/ und abends dann gemütlich vor dem Fernseher bei einer Komödie aus viktorianischen Zeiten zu chillen. So plane ich meinen 1. Mai.

In guten Händen

Heute abend zeigt der WDR “In guten Händen” (OT: Hysteria”), eine britische Komödie aus dem Jahr 2011 über die Erfindung des Vibrators in den ach so prüden viktorianischen Zeiten!!

(Edward Lear-Skizze links: Prawny/Pixabay)

“In guten Händen” – worum geht es?

1880 entwickelte der viktorianische Arzt und Autor Joseph Mortimer Granville (1833-1900) den “Percuteur” ( das französische Wort für “Schlagbolzen”), den Vibrator. Es gab eine elektrische Variante und eine mechanische, den Hand-Percuteur.

1883 ließ Granville sich seinen Percuteur patentieren.

(Bild rechts: Oberholster Venita/Pixabay

Für was genau er seinen Apparat verwendet wissen wollte, konnte ich auf die Schnelle nicht herausfinden, auf jeden Fall nicht zur Behandlung der weiblichen “Hysterie” mittels Orgasmus-Erzeugung, wie es im Film “In guten Händen” dargestellt wird. Sollte sein batteriebetriebener Percuteur wirklich als elektrischer Staubwedel dienen? Hm…?

In guten Händen

“Hysterie” galt viele Jahrhunderte als typische Frauenkrankheit mit Begleiterscheinungen wie Nervosität oder Unruhezuständen, Schlafstörungen, Atemnot, sogar Lähmungen. Eine Zeitlang vermutete die männliche Ärztewelt, die Krankheit ginge von der Gebärmutter aus und könne per Masturbation geheilt werden…

(Edward Lear-Skizze links: Prawny/Pixabay)

Das war wohl die harmlose Behandlungsvariante, es gab auch ziemlich grauenhafte OP-Methoden bis ins 20. Jahrhundert hinein. Wenn Euch die medizinischen und psychologischen Aspekte der Hysterie über den Film hinaus interessieren, könnt Ihr es hier nachlesen -> https://de.wikipedia.org/wiki/Hysterie oder auch unter -> https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Mortimer_Granville.

Zurück zum Film “In guten Händen”. Hier geht es tatsächlich um den Arzt Joseph Mortimer Granville, der den Vibrator (angeblich) entwickelt, um die von zu häufiger “vaginaler Stimulation” ermüdeten Mediziner-Hände zu entlasten.

Granville ist als Assistenzarzt bei dem vielbeschäftigten Londoner Frauenarzt Dr. Robert Dalrymple angestellt, der die Beschwerden seiner weiblichen Patientinnen mittels solcher Stimulationen zu lindern sucht. Granville hält es körperlich nicht lange durch, diese Behandlungsmethode zu praktizieren, er leidet an Krämpfen in den Händen.

Hilfe für sein Problem findet Granville bei einem Freund, mit dem er ein batteriebetriebenes Gerät für die Behandlung der Patientinnen entwickelt – eben jenen Percuteur, Vorläufer des modernen Vibrators.

Neben Krankheitsbild und technischer Innovation kommt “In guten Händen” auch die Liebe nicht zu kurz: Granville (im Film jünger als im wahren Leben zu dem Zeitpunkt) verlobt sich mit Dalrymples Tochter Emily, aber da ist auch noch deren ältere Schwester Charlotte, ihres Zeichens Frauenrechtlerin und sozialistisch eingestellt…

Viel mehr kann ich auch nicht sagen, denn ich habe den Film noch nicht gesehen, werde ihn mir heute Abend aber gönnen. Die Kritiken reichen von Lob bis hin zu Empörung, klar, ein ernstes und über lange Zeit diskriminierendes Thema als Komödie zu behandeln, wird immer viele Menschen und die verschiedensten Interessensgruppierungen aufregen.

“In guten Händen” – kurz und knackig

“In guten Händen”,

GB 2011, Regie Tanya Wexler,

u.a. mit Hugh Dancy, Maggie Gyllenhaal und Jonathan Pryce,

heute abend, 20:15 Uhr, WDR

Und nun wünsche ich Euch weiterhin einen schönen 1. Mai, macht was draus (mit Anstand und Abstand, Corona-konform eben)…

Stolz und Vorurteil